Projektbeschreibung IFA (Biala Podlaska)
Mein Projekt basiert auf einer Recherche zur Biografie meines Großvaters. Ausgehend von Dokumenten und Fotos, die er teilweise selbst gemacht und aufbewahren hat, habe ich Material gesammelt. Einen Teil möchte ich in einer Ausstellung in Biała Podlaska zeigen.
Aus dem Material konnte ich Teile der Biografien dreier Personen vor und während des 2. Weltkrieges rekonstruieren: Anton Kasners (geb. Kasprzycki), Hildegard Kasners (geb. Austerlitz) und Gertrud Kasners (geb. Weverinck). Anton und seine Eltern, die um 1900 aus Ostpreußen ins Ruhrgebiet emigrierten, legten den polnisch klingenden Nachnamen ca. ´22 ab. In Berlin lebte er eine Zeit lang mit Hildegard, die ihn ´25 heiratete und mit der er ´26 einen Sohn namens Wolfgang bekam. ´27 folgte die Scheidung. Zurück im Ruhrgebiet lernte er in den 30ern meine Großmutter Gertrud kennen, die er am 10.10.42 heiratete. Hildegard bekam ´39 eine weitere Tochter namens Tana Austerlitz. Da Hildegard jüdisch war wurden alle drei am 20.7.42 nach Theresienstadt (Terezín, CZ) deportiert.
Anton diente ´41 einige Monate in einem KGF-Lager für sowjetische Soldaten in Biała Podlaska, nahe der belarussichen Grenze, wovon eine kleine Fotoserie überliefert ist. Neben der Shoah gilt das durch Hunger, Erkrankung und Massenerschießungen herbeigeführte Massensterben der sowjetischen Gefangenen als größtes Verbrechen der Deutschen, das aber bisher nicht wirklich in der deutschen Öffentlichkeit angekommen ist.
Gertrud arbeitete während des Krieges bei Thyssen Krupp in Markstädt (Laskowice Olawskie, PL) bei Breslau (Wrocław, PL), wo sich das sog. Berthawerk befand.
Hildegard und die Kinder wurden zwischen dem 28.9. und 4.10.44 nach Auschwitz deportiert, das nur Wolfgang überlebte, der schließlich ´45 in Bergen-Belsen neunzehnjährig starb.
Das Material (Dokumente, Fotos, Textstellen etc.) möchte ich montieren und in Buch- oder Heftform und als einzelne Druckbögen an Stellwänden im Bahnhof in Biała Podlaska zeigen. Durch Auswahl, Gestaltung und Montage arbeite ich das Spannungsverhältnis zwischen Geschichte und Gegenwart, eigenem und angeeignetem Material, und der Aktualität einzelner Themen (privat/politisch, Nationalismus, Grenzen, Migration) heraus. Ich möchte den Menschen vor Ort einen Zugang ermöglichen, indem ich einerseits in der Gestaltung nicht zu abstrakt werde und andererseits Texte ins Polnische übersetze lassen. Publikation und Druckbögen sind so gedacht, dass sich beide ergänzen und die Publikationen mitgenommen werden können.
Herrn Nowogrodzki habe ich durch meine Recherche und vor Ort kennengelernt. Er kennt sich mit der regionalen Geschichte aus und ist aktiv in der Geschichtsvermittlung.